Braustübel Dresden

Zeitgeschichte Ratskeller & Bräustübel

1790 Besitz Grundstück Familie Bormann

~ 1800 ~

  • 1819 Besitz Grundstück Johann Gottfried Bormann (1800-1869) Im vorderen Teil, etwa dort, wo sich heute das Bräustübel befindet, stand das Wohnhaus.
  • 1859 ließ Bormann nordöstlich hinter seinem Wohnhaus, etwa dort wo heute das Ortsamt steht, von Theodor Lehnert (1828-1910) und Friedrich Voigt (1830-1898) die neue Gaststätte Burgberg errichten.
  • 1883 verkauften Bormanns Erben nach Teilung des Flurstücks die Gaststätte Burgberg samt Grundstück für 45.000,00 Mark an die Gemeinde Loschwitz. Fortan fanden hier die Gemeinderatssitzungen statt. Der Saal im OG wurde zum Ratssitzungssaal und von Eduard Leonhardi (1828-1905) auf eigene Kosten in altdeutschem Stile mit altdeutschem Mobiliar eingerichtet. Aus der Gaststätte Burgberg wurde der Ratskeller
  • 1885 zog die Gemeindeverwaltung, die bisher in der Grundstraße 5 ihre Räume hatte, hier ein. Der eigentlich für die Gemeinderatssitzungen eingerichtete Saal stand auch für die Gaststätte zur Verfügung.
  • 1886 erhielt die Wirtin die Genehmigung für Tanzveranstaltungen
  • 1892 erfolgte der Abriss des ehemaligen Bormannschen Wohnhauses, von dem nur der Keller verschont blieb. An seiner Stelle wurde nach Plänen des Architekturbüros Schilling & Graebner das noch heute erhaltene zweigeschossige Gebäude im Stil der Neorenaissance erbaut. Das Untergeschoss wurde Sitz der Polizeiwache. Der obere Raum die nördlich angebaute massive Veranda dienten als Gaststättenräume des Ratskellers. Oberhalb der Straßenmauern erhielt der Gästegarten eine hölzerne und mit Glas überdachte Pergola, an beiden Enden von je einem Treppenaufgang begrenzt.
  • 1894 erfuhr der Saal im Ratskeller auf Bitten der Wirtin eine Renovierung.

~ 1900 ~

  • 1905 erfuhr das Vordergebäude mit der Polizeiwache eine Veränderung der unteren, zum Körnerplatz gelegenen Fassade. Durch Wegfall eines bis dahin vorhandenen kleinen Produktladens erhielt sie eine Mitteltür mit jeweils zwei Fenstern zu beiden Seiten. Am Ostgiebel wurde eine Stehbierhalle angebaut und das heute wieder vorhandene Giebelfenster zugesetzt.
    Im Ratskeller hielt der 1884 gegründete Verein Kantorei seine Übungsstunden ab und für den 1894 gegründeten Evangelischen Jünglingsverein und den 1900 gegründeten Loschwitzer Stenographen-Verein Gabelsberger diente er als Vereinslokal.
  • 1920 Der entlang des Zugangs zur Standseilbahn ehemals als massive Veranda errichtete Verbindungsbau erhielt an der Westseite zur besseren Beleuchtung und Lüftung vier Fenster.
  • 1921 nach der Eingemeindung wurden im Ratskeller die überflüssig gewordenen Verwaltungsräume teilweise zu Wohnungen umgebaut. Der Gaststättenkomplex blieb erhalten und der Saal stand nun ganz für diesen zur Verfügung. Die Polizeiwache wurde geschlossen und eine Trafostation eingebaut. Der Giebel der Fassade erhielt kurze Zeit später ein Wandbild mit einem biertrinkenden Ritter zu Pferde, dem zwei Personen Getränke reichen.

Allerlei Genehmigungen

  • 1927 erhielt der Ratskeller noch einen Küchenanbau an der Nordseite.
  • 1935 Erneuerung der Stehbierhalle
  • 1945 im August erfolgte die Erneuerung der Erlaubnis zum Schankbetrieb durch den Rat der Stadt Dresden und 1947 auch für die Terrasse und Veranda.
  • In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg diente der Ratskeller zudem auch als Puppentheater. Gespielt wurde meistens im Verbindungsbau, der alten Veranda. Das Reiterwandbild am Giebel des Vordergebäudes (heute Bräustübel) wurde übermalt und durch die roten Buchstaben SED ersetzt.
  • 1946 Gründung Sächsische Hotel und Gaststätten GmbH der Loschwitzer Ratskeller gehörte zu den ersten von Ihr bewirtschafteten Gaststätten. Die bisherige Stehbierhalle erhielt den Namen Bräustübel
  • 1949 Nach der Gründung der HO übernahm wahrscheinlich 1949 hier den Betrieb.
  • 1956 ging die Gaststätte an den HO Gaststättenkreisbetrieb Fortschritt über. Der ehemalige Ratssaal wurde zum Tanzsaal umgestaltet. Dabei entfernte man die Galerie und überstrich die alte malerische Fassung. Danach fanden hier Tanzstunden sowie Abschluss- und Familienfeiern statt. Das Untergeschoss des Vordergebäudes erhielt Wirtschaftsräume und eine kleinen Verkaufsstand für Zeitungen. Die alte Veranda wurde zum Stadtcafé umgestaltet und das Obergeschoss des Vordergebäudes (heute Bräustübel) als Mokkastube integriert. Die Eröffnung fand 1958 statt. Als prägende Gaststättenleiter-Persönlichkeit ist Fritz Quellmalz zu nennen.
  • 1972 der gesamte Komplex wurde unter Denkmalschutz gestellt.
  • 1974 nach baupolizeilicher Sperrung schloss die Gaststätte im Hauptgebäude (heute Neubau Ortsamt)
  • 1976 musste aus selbigen Grund auch das Stadtcafé und Bräustübel schließen. Auf der Terrasse errichtete die HO einen Kiosk für Selbstbedienung. Die straßenseitige Pergola wurde abgerissen.
  • 1982 anlässliche des Pioniertreffens in Drsden erhielten die Fenster im Erdgeschoß als Sichtschutz Holzverkleidungen und die Fassade wurde gelb getüncht.
  • 1983 nach einer Propangasexplosion im Kiosk schloß dieser endgültig im Herbst 1987.
  • 1988 im Januar begann die PGH Bauhandwerk Dresden-Ost den Komplex als Initiativbaustelle zu einem wissenschaftlich-technischem Zentrum im Saal und erneutem Gaststättenbetrieb zu rekonstruieren. Der Stehbierhallenanbau wurde abgebrochen und dabei das zugesetzte Giebelfenster hergestellt.
  • 1989 im Oktober konnte nach Fassadenrenovierung das Bräustübel zunächst wieder geöffnet werden. Der politische Umbruch verhinderte jedoch eine Weiterführung der Sanierung der Gebäude.
  • 1990 ab Juni konnte zunächst das Erdgeschoss von der HO wieder als Bräustübel genutzt werden.
  • 1994 erfolgte der Abriss aller anderen Gebäude, um Platz für den Neubau des Ortsamtes zu gewinnen. Von den alten Gebäuden verblieb nur das *Bräustübel<<, das nach Schließung und gründlicher Sanierung an der Rückseite einen Treppenhausanbau bekam. Wo einst die Stehbierhalle war, entstand der Treppenzugang zur Trafostation.
  • 1999 im März konnte das Bräustübel in den sanierten Räumen mit dem Pächter Joachim Möbius wieder eröffnet werden. Nach zwei Jahren war bereits das Ende gekommen.

Dokumente und Baupläne

~ 2000 ~

  • 2001 – 2003 gab es hier Ausstellungen des in dieser Zeit in Sanierung befindlichen Leonhardi-Museums.
  • 2003 im September eröffnete Anke Hauschild dann ihre Crepe-Galerie mit Restaurant im Obergeschoss und Sommergarten auf der Terrase.
  • 2004 im November fand hier der erste Stammtisch des Ortsverein Loschwitz-Wachwitz statt. Das Bräustübel war seitdem das Stammlokal dieser Veranstaltungsreihe.
    Auf Initiative des damaligen Ortsamtsleiters Peter Rauch konnte zum Elbhangfest 2004 das von Reinhold Herrmann in Anlehnung an das alte Wandbild geschaffene neue Reiter-Wandbild am Giebel enthüllt werden.
  • 2008 Jahresende schloss die Crepe-Galerie und das Bräustübel stand erneut leer.
  • 2009 eröffnete ein Dresdner Gastronom nach städtischer Ausschreibung und schloss in 2017 wieder, das Bräustübel stand wieder leer.
  • 2021 Wiedereröffnung des Bräustübels auf historischen Wurzeln und doch mit neuem Ausschank- und Kulturkonzept für Anwohner, Dresdner und ihre Gäste.

Quelle:
Loschwitz Illustrierte Ortsgeschichte, Rolf Friebel, Otto-R. Wenzel
Herausgeber: Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e.V.
Zitate:
1 Pohle, Friedrich Wilhelm; Chronik von Loschwitz; Dresden 1883-1887
2 Münzner, Erberhard; Loschwitz; in: Dresdner Rathäuser. Eine Dokumentation, Dresden 2010 Quellen: 39,124, 323, 386, 579, 630, 756, 824, 845, 846, 974, 1000

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